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Bleiverglasung und Tiffany Technik

Die berühmten Bleiglasfenster der St. Marienkirche in Frankfurt (Oder). ©Markus Borgmann

Die berühmten Bleiglasfenster der St. Marienkirche in Frankfurt (Oder). ©Markus Borgmann

Wer kennt nicht die beeindruckenden bleiverglasten Fenster der mittelalterlichen Kirchen. Zum Beispiel die berühmten drei großen Bleiglasfenster der Marienkirche in Frankfurt/ Oder. Sie entstanden zwischen 1360 und 1370 und stellen im gotischen Stil die Schöpfungsgeschichte der Welt dar. In insgesamt 117 Bildern wird, in einer Art Bilderbibel, das Leben von Adam und Eva, der Bau der Arche Noah und das Leben von Jesu Christi gezeigt.

Dabei entsprang die Bleiverglasung eigentlich nur der damaligen Unmöglichkeit große Glasflächen herzustellen. So wurde aus diesem Nachteil eine Kunstform geschaffen und kleinere unterschiedlich gefärbte Glasstücke zu Bildern verbunden. Die Verbindung der einzelnen Glasstücke erfolgte mit Bleiruten wodurch diese Glasform zu ihrem Namen kam und ein Kunsthandwerk wurde. Die Bleiruten sind stabförmige Bauteile aus Blei. Sie haben verschiedene Profile um z.B. Glas mit Glas (H-Form) oder auch das Glas mit dem Außenrand (U-Form) zu verbinden.

H-Blei = Innenblei, U-Blei = Randblei, rechts Stahleinlage, ©Hans Bernhard

H-Blei = Innenblei, U-Blei = Randblei, rechts Stahleinlage, ©Hans Bernhard

Die einzelnen Bleiruten werden verlötet. Früher wurden heiße Eisen dafür benutzt – heute dagegen elektrische Lötkolben. Nach dem Verbinden der Bleiruten wird das Glas mit dem Metall durch Kitt abgedichtet.

Verlöten eines Bleifeldes © Hans Bernhard

Verlöten eines Bleifeldes © Hans Bernhard

Eine andere Form der Glasverarbeitung ist die Tiffany Glaskunst. Benannt nach Louis Comfort Tiffany, einem amerikanischen Glaskünstler und Maler der 1848 in New York geboren wurde und 1933 auch dort starb. Er war einer der bedeutendsten Vertreter des Jugendstils. Diese Stilrichtung der Jahrhundertwende ist geprägt von dekorativ geschwungenen Linien und flächenhaften floralen Ornamenten.
Bei der Tiffany Glaskunst wird im Gegensatz zur Bleiglaskunst zur Verbindung der Glasstücke nicht Blei sondern Kupfer und Lötzinn verwendet. Durch besondere Chemikalien werden die einfachen Lötnähte zur Korrosion gebracht und erhalten dadurch eine charakteristische Färbung. Durch diese Technik können auch dreidimensional Gebilde hergestellt werden. Am bekanntesten sind wohl die Tiffany Lampenschirme.

Detailansicht eines Tiffany-Lampenschirms

Detailansicht eines Tiffany-Lampenschirms

Schon damals, um 1900 waren diese Lampenschirme sündhaft teuer und heute erreichen Originale Preise von bis zu einer Million Dollar. Es waren und sind Luxusgüter die keine wirkliche Funktion haben, da das Licht die dicken Glasschichten nur schwach durchdringt.
Im Tiffany Stil gefertigten Gläser, Lampenschirme und anderer Glasschmuck wird heute wieder verstärkt hergestellt und angeboten. Man kann sich auch selbst in diesem Kunsthandwerk versuchen. Alles was man dafür benötigt, kann einzeln oder auch als Bausatz gekauft werden.

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