Archiv der Kategorie: Herstellung

Wir geben einen Einblick in die Produktionstechniken, die für die Herstellung von Unikat Glasschmuck möglich sind.

Was ist eigentlich Tombak ?

Schmuck und Tombak

Tombak ist eine hochwertige Messingsorte, die schon lange als Alternative zu Silber und Gold in der Produktion von Schmuck, Dekorationselementen und Gebrauchsgegenständen benutzt wird. Tombak hat einen überdurchschnittlich hohen Kupferanteil von 70%, was es klar von herkömmlichen Messingsorten unterscheidet.
Die Verwendung von Tombak hat eine lange Tradition. Schon seit Hunderten von Jahren dient diese hochwertige, haltbare und schöne Messingsorte zur Herstellung von Leuchern, Gefäßen, Modeschmuck, Helmen, Metallgeräten und Brustpanzern. Auf Grund der sehr hohen Qualität wird Tombak auch oft zur Herstellung von Uhrenteilen verwendet.
Das Material bietet zahlreiche Möglichkeiten, sodass auch der kreative Schmuckdesigner seinen Gestaltungsvorstellungen freien Lauf lassen kann und so qualitativ hochwertige und attraktive Schmuckstücke herstellen kann.
Seinen Ursprung hat die Bezeichnung „Tombak“ wohl in Malaya oder im vorderasiatischen Raum, wo das Wort „Tumbaga“ oder „Tambaga“ Kupfer bedeutet.
Heutzutage gibt es für Tombak viele Bezeichnungen, wie zum Beispiel „Rotmessing“, „Trompetengold“, „Tafelmessing“, „Goldmessing“ oder „Schmuckgold“. Weitere Bezeichnungen wären Goldin, Oreid, Similor oder Oron.
Kommt Tombak in seiner silbernen Variante vor, so wird es auch „Weißer Tombak“ oder „Neusilber“ genannt. Eine aus dem Lateinischen stammende Bezeichnung war „cuprum album“. Im Englischen ist es als „white copper“ bekannt. Als eine etwas antike deutsche Bezeichnung wäre noch Weißkupfer zu nennen. Diese wurde jedoch durch eine neue Legierung – heute „Neusilber“ – im 19. Jahrhundert abgelöst, da sie im Gegensatz zum Weißkupfer ungiftig ist.
Tombak kann durch seine optischen, physikalischen und technischen Eigenschaften sowohl unbeschichtet als auch beschichtet eingesetzt werden. Als Trägermaterial eignet sich Tombak besonders bei Vergoldungen, Versilberungen und Emaillierungen.
Tombak auf Grund seiner Optik und physikalischen Eigenschaften dem Gold sehr ähnlich. Je nach Legierung liegt sein Gewicht bei 8,7 bis 9,5 g/cm³. Da Tombak eine Messingsorte ist, besteht es wie Messing vornehmlich aus den Metallen Kupfer (Cu), Zink (Zk) und Blei; der „Weiße Tombak“ als Legierung aus Nickel (Ni), Kupfer und Zink.
Im Gegensatz zu normalem Messing wird Tombak mit einem übermäßig hohen Anteil an Kupfer hergestellt, um bestimmte farbliche Effekte und Gebrauchseigenschaften zu erreichen. Der sogenannte „Rottombak“ hat einen Kupferanteil von 90%. „Goldtombak“ hat einen Anteil von 85%; bei „Hellrottombak“, beträgt der Anteil noch 80%. Wird Tombak emailliert, beträgt der Kupferanteil im „Emailtombak“ ca. 95%. Um besondere Eigenschaften und Effekte zu erreichen, werden besondere Herstellungsverfahren und Materialmischungen angewandt.
Tombak hat allerdings keine Goldanteil, obwohl Aussehen und Dichte des Materials dem von Gold sehr nahe kommen. Oft wird es wegen seiner goldähnlichen Eigenschaften als echtes Gold angeboten. Fälschlicherweise wird Schmuck aus Tombak auch als „Tombakgold“, dass heisst Tombakschmuck mit Goldanteil, angeboten. Die Bezeichnung „Autobahngold“ lässt sich also auf dubiose Händler zurückführen, die auf Autobahnparkplätzen versuchen, Tombak als echtes Gold an den Mann zu bringen

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Aventuringlas (Goldfluss)

Fließendes Gold – schöner als die Natur.

Faszinierendes Gold! Die Alchimisten des Mittelalters haben vergeblich versucht, es künstlich zu produzieren, blutige Kriege wurden um seinetwillen geführt, ganze Völker ermordet. Bis heute ist Gold ein faszinierendes Material, wertvoll und nach wie vor nicht von Menschenhand herstellbar. Doch dem neugierigen Menschen ist es gelungen, Imitate zu finden, die Gold ähnlich sind und eine vergleichbar anziehende Wirkung haben. Goldfluss zum Beispiel.

Goldfluss (Aventuringlas), ©I, GDK

Goldfluss (Aventuringlas), ©I, GDK

Fließendes Gold – synthetisch hergestellt.

Hierbei handelt es sich um ein halb durchsichtiges, meist rötlich-braunes Glas, das viele goldfarbene, metallische Flitterteilchen einschließt. Hat das Glas eine eher dunkelblaue bis violette Farbe, spricht man von Blaufluss, ist es vor allem grün, von Grünfluss. Hergestellt wird Goldfluss durch Schmelzen von Glas mit Kupfer(I)-oxid. Während das Glas langsam erkaltet, reduziert sich das Kupfer(I)-oxid zu metallischem Kupfer, das in Form von winzigen, glänzenden Metallclustern im Glas eingeschlossen bleibt. Manchmal werden auch Glimmerblättchen in die Glasmasse gewalzt. Die metallischen Einschlüsse lassen das Glas im Licht wunderschön dreidimensional schimmern, was seine besondere Wirkung ausmacht. Ist der glitzernde Flitter nicht gleichmäßig verteilt, sondern bildet kleine wie Gold anmutende Klümpchen, so spricht man auch von „Goldstein“. Der so entstandene Goldfluss kann dann bearbeitet werden – also poliert, geschliffen, geblasen oder in bestimmte Formen für Unikatschmuck oder Kunstgegenstände gegossen werden. Es wird ähnlich wie ein Halbedelstein für Glasschmuck verwendet, in der Esoterik findet er Verwendung als Schmuck und Kunstgegenstände.

Goldfluss als Krösel und als Stab

Goldfluss als Krösel und als Stab

Goldfluss, auch als Aventuringlas bezeichnet, wurde erstmals im 17. Jahrhundert in der berühmten Murano-Glasmanufaktur bei Venedig für Glasschmuck produziert. Da dieses Verfahren eher zufällig und unter äußerster Geheimhaltung entwickelt wurde, nannte man das Produkt nach dem italienischen „a ventura“ – zufällig – „Aventurin“. Erst später wurde eine natürliche Quarzart gefunden, die mikrokristalline, stark glitzernde Einschlüsse von Fuchsit, Glimmer oder Hämatit enthält. Dieses natürliche Aventurin oder Hämatinon, auch Glimmerquarz genannt, erfreute sich aber nie der gleichen Beliebtheit wie sein synthetischer „Vorgänger“, der zwar weicher ist, aber von wesentlich attraktiverer Optik. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten die deutschen Chemiker Max von Pettenkofer und Friedrich Wöhler ein Verfahren, mit dem das alte venezianische Aventuringlas in gleicher Perfektion hergestellt werden konnte. Seither wird es auch in deutschen, englischen und französischen Glashütten produziert.

Goldfluss – faszinierender Unikatschmuck im Muranoglas-Stil.

War Goldfluss eines der Hauptmaterialien, mit dem die venezianischen Glaskünstler arbeiteten und arbeiten, so bedienen sich heute auch andere Schmuckhersteller wie die Galerie Glaswerk seiner. Seine natürlich anmutende Schönheit, der farbliche Variantenreichtum und die nahezu unbegrenzte Formbarkeit machen Goldfluss zu einem für Modeschmuck universell einsetzbaren und äußerst gefragten Material.

Midnight Sun  Halskette

Midnight Sun Halskette, mit Aventuringlas hergestellt.

Seine Beliebtheit gründet jedoch nicht nur in seiner optischen Schönheit. Esoteriker und sensible Menschen sind der festen Überzeugung, dass Modeschmuck oder Gegenstände aus Goldfluss seinem Träger bzw. Besitzer zu einer positiven Lebenseinstellung verhelfen sollen, dass sie vor zu viel Stress schützen und das körpereigene Immunsystem unterstützen. Außerdem soll Goldfluss vor psychischen und psychosomatischen Krankheiten wie auch vor Infektionskrankheiten bewahren.

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Bleiverglasung und Tiffany Technik

Die berühmten Bleiglasfenster der St. Marienkirche in Frankfurt (Oder). ©Markus Borgmann

Die berühmten Bleiglasfenster der St. Marienkirche in Frankfurt (Oder). ©Markus Borgmann

Wer kennt nicht die beeindruckenden bleiverglasten Fenster der mittelalterlichen Kirchen. Zum Beispiel die berühmten drei großen Bleiglasfenster der Marienkirche in Frankfurt/ Oder. Sie entstanden zwischen 1360 und 1370 und stellen im gotischen Stil die Schöpfungsgeschichte der Welt dar. In insgesamt 117 Bildern wird, in einer Art Bilderbibel, das Leben von Adam und Eva, der Bau der Arche Noah und das Leben von Jesu Christi gezeigt.

Dabei entsprang die Bleiverglasung eigentlich nur der damaligen Unmöglichkeit große Glasflächen herzustellen. So wurde aus diesem Nachteil eine Kunstform geschaffen und kleinere unterschiedlich gefärbte Glasstücke zu Bildern verbunden. Die Verbindung der einzelnen Glasstücke erfolgte mit Bleiruten wodurch diese Glasform zu ihrem Namen kam und ein Kunsthandwerk wurde. Die Bleiruten sind stabförmige Bauteile aus Blei. Sie haben verschiedene Profile um z.B. Glas mit Glas (H-Form) oder auch das Glas mit dem Außenrand (U-Form) zu verbinden.

H-Blei = Innenblei, U-Blei = Randblei, rechts Stahleinlage, ©Hans Bernhard

H-Blei = Innenblei, U-Blei = Randblei, rechts Stahleinlage, ©Hans Bernhard

Die einzelnen Bleiruten werden verlötet. Früher wurden heiße Eisen dafür benutzt – heute dagegen elektrische Lötkolben. Nach dem Verbinden der Bleiruten wird das Glas mit dem Metall durch Kitt abgedichtet.

Verlöten eines Bleifeldes © Hans Bernhard

Verlöten eines Bleifeldes © Hans Bernhard

Eine andere Form der Glasverarbeitung ist die Tiffany Glaskunst. Benannt nach Louis Comfort Tiffany, einem amerikanischen Glaskünstler und Maler der 1848 in New York geboren wurde und 1933 auch dort starb. Er war einer der bedeutendsten Vertreter des Jugendstils. Diese Stilrichtung der Jahrhundertwende ist geprägt von dekorativ geschwungenen Linien und flächenhaften floralen Ornamenten.
Bei der Tiffany Glaskunst wird im Gegensatz zur Bleiglaskunst zur Verbindung der Glasstücke nicht Blei sondern Kupfer und Lötzinn verwendet. Durch besondere Chemikalien werden die einfachen Lötnähte zur Korrosion gebracht und erhalten dadurch eine charakteristische Färbung. Durch diese Technik können auch dreidimensional Gebilde hergestellt werden. Am bekanntesten sind wohl die Tiffany Lampenschirme.

Detailansicht eines Tiffany-Lampenschirms

Detailansicht eines Tiffany-Lampenschirms

Schon damals, um 1900 waren diese Lampenschirme sündhaft teuer und heute erreichen Originale Preise von bis zu einer Million Dollar. Es waren und sind Luxusgüter die keine wirkliche Funktion haben, da das Licht die dicken Glasschichten nur schwach durchdringt.
Im Tiffany Stil gefertigten Gläser, Lampenschirme und anderer Glasschmuck wird heute wieder verstärkt hergestellt und angeboten. Man kann sich auch selbst in diesem Kunsthandwerk versuchen. Alles was man dafür benötigt, kann einzeln oder auch als Bausatz gekauft werden.

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