Filigrane Kunst des Glasblasens Bericht 1988

Pressebericht Glaskunst Herzog

Objekte der Glasbläsers Reinhard Herzog in Berlin

Die Presse berichtet: Die erste Ausstellung war eine Hommage an die Glasstadt Wertheim/Main.

Reinhard Herzog strebt nach Harmonie von Form und Farbe in bereits  Jahrhunderte alter Arbeitstechnik.

„Glas ist ein Kind des Lichts, welches aus der Phantasie des Menschen geboren wird.“

Der zu dieser Zeit 40jährige Reinhard Herzog aus Wertheim am Main präsentiert jetzt seine filigrane Kunst aus Glas in der Berliner „Galerie Glaswerk“. Das Spiel mit Farbe ist laut Reinhard Herzog mitunter die wichtigste künstlerische Komponente der Glasgestaltung. Seine flachen Glasschalen, bauchigen oder schmalen Vasen, sowie Kugeln und Lampenschirme aus Glas sind überwiegend vor der Glasbläserlampe geblasen, eine Verarbeitungstechnik, die schon die alten Ägypter kannten und praktizierten. Im Unterschied zur Arbeit mit „Hüttenglas“, bei dem flüssiges Glas aus dem Schmelztiegel im Ofen entnommen wird, benutzt der Glasbläser Glasröhren als Ausgangsmaterial für seine filigranen Objekte.

Der Glasbrenner, vor dem die Röhren verarbeitet werden, sieht aus wie ein Flamenwerfer in Miniaturformat. Bei wechselnder Intensität erreicht das entflammte Gas-Sauerstoffgemisch Temperaturen von bis zu 1200 Grad Celsius. „Vor der Lampe blasen“ ist ein weit verbreiteter Ausdruck, der noch aus der vorindustriellen Zeit stammt, als Glasbrenner  noch mit Öllampe und Blasebalg betrieben werden mussten. Das Rohglas in Röhrenform  dreht der Künstler über der Gasflamme. Durch die ständige und konstante Drehbewegung in der Flamme wird das zähflüssige Glas in Form gehalten und die Farben, meistens in Form von Glasgranulat aufgetragen und eingeschlolzen. Auf die verwendeten Grundfarbe kommen dann die Muster, die für Reinhard Herzog sehr charakteristisch sind: Wie Landschaften mit Wolken wirken die in zarten Pastelltönen gehaltenen Zweige und Blüten in kräftigem Rot und Orange. Ein besonderes Markenzeichen vom Künstler- ist ein runden Fleck am Horizont des Glasobjekts.

„Eigentlich wollte ich unseren Planeten aus der Perspektive des Mondes auf einer Vase wiedergeben, weil mich dieser Anblick auf Fotos immer fasziniert hat. Beim Experimentieren mit Glassplittern und Farben entstand dann dieser kleine Planet, der auf vielen Arbeiten zu sehen ist“,

erklärt Herzog seine künstlerische Impressionen, die er zu Motiven auf den Glaskunstwerken verarbeitet. Nach dem ersten Schritt, der farbigen Gestaltung, folgt die Formgebung des Werkstückes. Durch das gezielte Einblasen von Luft, sowie Drehen, Ziehen, Stauchen und Drücken wird die zähflüssige Masse in die gewünschte Form gebracht. In der Galerie werden lange Sektkelche mit geschwungenen Stielen ausgestellt, sowie Vasen mit Holzmaserungsmustern und unregelmässigen Rändern.

„Das Gefühl für die richtige Proportion ist entscheidend, denn neue Formen kann man nicht erfinden, das alles hat es schon einmal gegeben. Aber die Komposition von Farben und die Harmonie mit der Form: das ist die eigentliche Kunst der Glasgestaltung“.

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