Berliner Tagesspiegel 1991: Poesie in Glas

Glasschmuck Galerie Modeschmuck Glasgestalter Berlin

Zeitungsbericht des Berliner Tagesspiegel 1991 zur "International Unblown Glass"

Glasgewordene Poesie
Zeitgenössische Arbeiten werden ausgestellt.
Das Größte muss nicht immer pompös sein, dennoch sollte man es unbedingt als solches ehren. In Berlin war noch nie eine so hochkarätige und umfangreiche Ausstellung zeitgenössicher Glaskunst zu sehen.

Dieser Tage drängen sich dreißig Künstler aus sieben Nationen, unter ihnen so gut wie alle internationalen Namen, in der „Galerie Glaswerk“ in der Kantstraße 138, die ihr drittes und erfolgreichstes Jahr mit dieser Präsentation krönt.

Es gibt doch niemanden, der nicht schon einmal im Corning Museum, in Barcelonas Kunstmuseum oder im Victoria & Albert vor den Hlava-Skulpturen gestanden hätte. Deren atemberaubendes Form- und Farbspiel in massivem und gleichzeitig durch gewitzte, beinahte verschmitze Räumlichkeit, scheinbar schwerelos, beinahe tänzelndes Glas bewundert. Wer könnte sich der präzisen Eleganz und  Magie der kühnen Schwünge, die an Brancusi erinnern entziehen?

Selten sind wir bei König(inn)en zu Gast, Peter Laytons lasziv-lässige Plastiken würden wir dort jedoch in den Privatgemächern finden. Diesmal wird ausschließlich ungeblasenes Glas ausgestellt:

Ein Schatzhaus für diejeniegen, die sich auskennen. Diverse Schmelzverfahren, Pate de Verre, Formguss, Glasmalerei, Schliff, Bleiverglasung sowie freie, skulpturelle Gestaltung lassen den Kenner, wie in anderen Künsten, die Wirkung des Verfahrens und die Eigenarten als formbestimmend würdigen, ja sogar genießen.

Zu den ältesten SChmuckmedien gehört neben Edelsteinen das Glas. es wurde lange Zeit sogar als magisches Material empfunden, selbst Gebrauchsgegenstände behielten lange diese Qualität:

Konnte doch Glas das Licht einfangen, es zähmen und ihm Erscheinungsformen entlocken, die man in der Natur sonst nicht kennt.

Auch die alten Römer nutzten die Vielfalt des Glases, sodass viele der ausgestellten Techniken noch aus der damaligen Zeit stammen:

Mit jeder neuen Mode verfeinerten sich die Methoden. Angefangen bei Gravur, Schliff, Mosaik- und Zwischengoldtechnik, mit denen Gebrauchsglas veredelt wurde, der venezianischen Glaskunst der Renaissance, über ihre Hochzeit in Barock und Rokoko in Deutschland bis zu kultivierten, verschwenderischen Sinnlichkeit im Jugendstil.

Kulturkritiker sprachen sogar vom „gläsernen Jahrhundert“, da Glas zum Anfang des Jahrhunderts ein universeller Werkstoff geworden war. Glas als reines Kunstmedium beginnt jedoch gerade erst sich von den Konventionen eines bloßen Gebrauchsgegenstands zu lösen. Daraus entwickelte sich seit Mitte der sechziger Jahre die sogenannte Studio-Bewegung (Grund dafür war, ein in den USA entwickelter Schmelzofen, durch den Künstler sich von den Institutionen emanzipieren konnten).

Die sich binnen kurzer Zeit explosionsartig verbreitenden, handwerklich vorzüglich ausgebildeten Nachwuchskünstler legten ein Oeuvre vor, welches gewisse Ähnlichkeitenan mit dem Attribut des alten Klassikers Galle aufweist:

Man bezeichnete seine Werke als glasgewordene Poesie.

Wer bei „Glaskunst“ immer noch mehr an Nippes und dergleichen Kunsthandwerk denkt und weniger an Kunst im eigentlichen Sinne, der sollte unbedingt in der „Galerie Glaswerk“ vorbeischauen und sich vom Gegenteil überzeugen lassen.

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