DER TAGESSPIEGEL, SONNTAG, 9. APRIL 1995: Originell und Preisgünstig

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Der Tagesspiegel vom 9. April 1995

DER TAGESSPIEGEL, SONNTAG, 9. APRIL 1995: Recycling – Originell und Preisgünstig

Leere Flasche, was passiert nun mit ihr? So wie aller Müll heutzutage geht sie ihren letzten Weg in Richtung Recyclinghof. Es sei denn, die Flasche ist interessanter als ihr Inhalt, wie zum Beispiel die, des walisischen Mineralwassers  Tyant. Wegen des saftigen Preises wird es von den Briten abwertend als „designer water“ bezeichnet. Für viele ist die Flasche eher eine Trophäe, sodass sie sie sich das schöne leuchtende Blau ins Regal stellen anstatt sie einem Altglascontainer anzuvertrauen. Nun stellt sich die Frage, was man aus schönen Flaschen noch machen kann, wenn man eigentlich keinen Bedarf an Vasen für einzelnen Blumen oder Kerzenständern mehr hat.

Sean Penrith und Philip Tetley (beide aus Südafrika) beschäftigten sich eingehend mit dieser Frage und fanden mit Hilfe von Tetleys Schwester Mara, die Künstlerin ist, eine gute Lösung: sie stellten die Flaschen einfach auf den Kopf und schnitten sie oben ab. Das ist wohl die umweltfreundlichste Methode Glas wiederzuverwerten, da es nicht einmal neu eingeschmolzen werden muss. Ein weiterer Vorteil: die beiden Geschäftsmänner können ihre Produkte auf Grund niedriger Produktionskosten günstig weiterverkaufen. Es hat den Elektroingenieur und seinen Kompagnon jedoch mehrere Jahre gekostet, dieses Verfahren, das seit 1992 weltweit patentiert ist, in ihrer Garage zu entwickeln. Den genauen Produktionsprozeß haben sie jedoch nie im Detail verraten. Inzwischen haben sie eine Fabrik, in der sie mit ihren 40 Mitarbeitern im Jahr um die 20 000 Gläser produzieren. Es ist bereits eine zweite Produktionsstätte in Italien im Gespräch, um die Transportkosten nach Europa zu minimieren. Pentrith und Tetley führen einen Teil ihres Gewinns an den WWF ab. Auch weil das „Green Glas“ sehr umweltfreundlich ist, trägt es zu Recht diesen Namen, der auch durch einige Kollektionen aus Grünglas, von dezent oliv bis knallig, unterstützt wird. Nicht nur die Perrierflasche oder die Southern Comfort haben Wiedererkennungswert. Ganz besonders ansehnlich sind die Ähren auf der grasgrünen Grolsch-Flasche, auf der ebenfalls ein Löwe zu sehen ist, und die Zitrusfrüchte auf „Roses Lime Cordial“. Das Anbot an diesen Gläsern ist sehr vielfältig. Man findet alles, vom Humpen über Eisbecher und Tumbier bis zu den langstieligen, eleganten und schmalen Formen der Wein-, Sekt- und Cocktailgläser. Doch bei weitem gibt es nicht nur die auf den Kopf gestellen und umgedreht wieder auf den Flaschenboden geklebten (natürlich mit umweltfreundlichem Klebstoff) Modelle, manche sind auch einfach nur abgetrennt. Um die Produktvielfalt zu erweitern gibt es nicht nur Klarglasmodelle, sonder auch die matte Variante. Sie wurde extra mit dem Sandstrahl bearbeitet. Trotzdem können beide auch in der Spülmaschine gereinigt werden.

Zu bewundern sind die „Green Glas“ Kunstwerke in Rainer Schrades „Galerie Glaswerk“, Kantstraße 18, die sie noch bis zum 29. April ausstellt. Beim Kauf eines der rund 20 Modelle tun sie gleichzeitig auch etwas Gutes für die Umwelt, denn Rainer Schrade spendet 10% des Erlöses an Greenpeace. Die am meisten verkauften Modelle werden dann auch langfristig bei ihm zu finden sein.

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