enlightened! – Lichte Kunstwerke aus Glas: Tagesspiegel November 1994

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Enlightened! Pressebericht im Berliner Tagesspiegel

enlightened! – Lichte Kunstwerke aus Glas

Die Galerie Glaswerk zeigt kompromisslos und als einzige der Stadt reine Glaskunst.
Im November führt sie auf ihrer Ausstellung, die inzwischen schon Tradition hat, den internationalen Standard vor.
Die Künstler kommen dieses Jahr aus Deutschland, England, Tschechien und Frankreich. Sie gruppieren sich um jenes Thema, das in ihrem Kunstgebiet schon fast tautologisch erscheint:
„Enlightened“ bedeutet aufgeklärt und aufgehellt zugleich….. und ist demnach ein guter Titel für „Licht und Leuchtobjekte“.
Ein guter Glasbläser ist fast schon gezwungen das Licht ganz bewusst zu verwenden, mitzuverarbeiten oder es zumindest einzuplanen, wenn alle Möglichkeiten genutzt werden sollen.
Dem Licht solle ein gleicher Stellenwert eingeräumt werden wie dem Glas, so die Idee der Galerie. Im Neon-Zeitalter scheint dies ein wagemutiger Schritt.
Manche Objekte wirken auf ein intime Art exotisch und fremd, nicht nur mehr abgehoben, hochkünstlich oder stilisiert. Im „Glaswerk“ fühlt man sich oft nicht wie in einem Laden für Gebrauchsgegenstände, sondern eher in einer Kunstgalerie. Natürlich gibt es immer noch die sehr phantasievoll entworfenen und perfekt gearbeiteten Flacons, Briefbeschwerer, Kerzenhalter, Weingläser und Vasen. Dennoch steht hehre Kunst zur Zeit im Mittelpunkt.
Wie die von Wolfgang Klapp: wie aus mytischen Quellen aus Glassockeln, wie aus schmalen langen Baumstümpfen wachsenden Gesichter aufleuchten. Frederic Morins Objekte charakterisieren die verspielten, abstrakten Unterwasserszenarien, die wie plötzlich in der Bewegung eingefroren anmuten. Mitten in den sauber gearbeiteten Blocks entspringen bei Gerd Kruft aus einer gänzlich unregemäßigen Tiefenstaffelung geheimnisvolle Höhlen- und Grotteneffekte des mit Sandstrahl behandelten Klarglases. Damit überzeugt auch der Tscheche Janacek, obwohl mit ganz anderen Effekten und eigentlich auch nicht zur Ausstellung gehörenden Objekten. Er erschafft geometrische und konstruktivistische Formen von unglaublicher Perfektion, die wegen seiner lässigen Souveränität totaler Materialbeherrschung Wärme ausstrahlen und Geborgenheit suggerieren.
Der US-Amerikaner Henner Schroeder beweist, dass auch industriell geprägte Formen etwas Heimisches haben können. Als zunehmend beliebte Kombination sehen wir Metall und Glas, welches -besonders farbiges Glas- vor dem kühlen Metall etwas Märchenhaftes bekommt. Besonders schön sieht man dies an den verknoteten, menschenähnlichen Röhrenkonstruktionen, aus denen Neonobjekte hervorwachsen, von Marin Birzle. Ebenso an den flachen Wandskulpturen, die man wie Bilder aufhängen kann, von Michael Gausling. Er setzt landschaftsartige Glasoberflächen auch oft mit Zwischenlicht gegen einen Hintergrund aus Metall ab.
Wie immer ein Höhepunkt:
Die Überfanggravuren von Pavel Borowski, die diesesmal auch beleuchtet sind.
Wie ein Suzi Wong-Rock ist das am faszinierendsten gespaltene Objekt. So surreal wie die unglaublich reich entfalteten Gravurszenen, in denen man sich verlieren kann, wie in einem verzauberten Wald, enden die tiefblauen Halbzylinder in einer roten Zackenkrone.

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