Alternatives Recyceln von Altglas: Die Welt 31.07.1995

Galerie Glaswerk Ausstellung Green Glass Modeschmuck

Pressebericht in der Welt

Altglas wird alternativ recycled
Montag, 31. Juli 1995 – Nr 176 – 31 – von BARBARA GEIER
Die Auffassung, Recycling wäre nur eine Frage umweltbewusster Wiederverwertung von Müll, ist längst überholt. Die Kunst ist neuerdings eine Mitbewerberin beim Ansturm auf den wertvollen Abfall der Recyclingindustrie, was die Branche zusätzlich kulturell aufwertet. Alba, Mitglied der „Recycling Initiative Berlin 95“, also Teil des Zusammenschlusses der drei großen Berliner Entsorgungsunternehmen Alba, Stadtreinigungs-Betriebe (BSR) und DASS, macht zur Zeit selbst auf die alternative Recycling-Sparte aufmerksam. Letztes Jahr eröffnete das Unternehmen in Velten bei Berlin eine Altglasverarbeitungsanlage, welche mit Broschüren, Postern und einer Sammlung an Glasscherben in der „Galerie Glaswerk“ (Kantstraße 138) vorgestellt wird. Direkt daneben findet man von südafrikanischen Künstlern kunstvoll gefertigte Trinkgläer, die aus gebrauchten Flaschen hergestellt wurden. Diese Produkte nennt man „Green Glass“, das heißt, dass Altglas nicht erst eingeschmolzen werden muss. Diese Methode ist genauso einfach wie

inovativ: leeren Wein- Whiskey- und Wasserflaschen werden auf den Kopf gestellt und in der Mitte durchgeschnitten und anschließend wieder auf den Flaschenboden geklebt. Jeden Monat produzieren die Südafrikaner Philip Tetley und Sean Penrith zusammen mit ihren 40 Mitarbeitern 20 000 Gläser. Wegen dieses Erfolgs haben sie nun auch ein Patent auf ihr Verfahren. „Galerie Glaswerk“ machte die beiden in Berlin bekannt. Neben der umweltfreundlichen Herstellung geht auch ein kleiner Teil pro verkauftem Stück an den World Wide Fund for Nature (WWF), da der WWF der kleinen Kunstfabrik das notwendige Startkapital gestellt hat. Durch den Kauf der Gläser können auch die Berliner die umweltfreundliche Idee aus Afrika unterstützen. Wenn sie ihr Altglas in die rund 87 000 Containern der Stadt geben, landet es in Velten in der Anlage von Alba. Dort werden monatlich 10 000 Tonnen Altglas recycelt. Das entspicht laut des Berichts des Geschäftsführers Werner Eckler, der zu Ausstellungsbeginn in der „Galerie Glaswerk“ veröffentlicht wurde, ungefähr 280 Millionen Bierflaschen. Mit dem in Velten gewonnenen Granulat werden zehn Glashütten von AlbaAlba Recycling bundesweit beliefert. Die Hälfte aller in Deutschland hergestellten Glasbehälter, bestehen aus eingeschmolzenem Altglas. Das spart vor allem Energie bei der Rohstoffgewinnung und entlastet gleichzeitig die überquellenden Mülldeponien. Trotzdem ist das Mehrwegflaschensystem immer noch umweltfreundlicher. „Pfandflaschenmuffel“ seien besonders die Berliner, klagen immer noch gestrenge Umweltschützer. Bundesweit liegt die Quote der Mehrwegflaschebenutzer bei ca. 70 %, in Berlin nur bei ca. 40 %. Laut eines Gutachtens des Münchner Frauenhofer Instituts liegt die Grenze des ökologischen Vorteils von Pfandflaschen bei 100 Kilometern. Wenn zwischen Abfüllort und Verkaufsstelle mehr als 100 Kilometer liegen, erscheine der ökologische Vorteil gegenüber Wegwerfflaschen fragwürdig.

Dieser Beitrag wurde unter Alle Artikel, Presse abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.